Vom fliegenden Grill

Wie erwähnt, waren die letzten Wochen ziemlich turbulent. Rüdiger hat seinem Ruf alle Ehre gemacht – immer wieder. Das ist echt nicht normal mit dem. Lebt ja in Thailand und so verhält er sich auch. Ein Glück, dass der Bulle in der Gegend ein alter Schulfreund von uns ist. War mal genau gleich drauf wie wir, dann kam die Frau des Lebens. Er machte ne Ausbildung bei der Polizei und wurde langweilig. Sehr langweilig. Er weiss wie die Putzfrau in GZSZ heisst, kann im Fortgeschrittenenstadium Handtaschen häkeln (welche sie jeden 1. Samstag im Monat gemeinsam aufm Flohmarkt verkaufen), achja und trägt nen Schnäuzer! So eine richtig hässliche Rotzbremse. Mit den Schlauchbootlippen gepaart sieht das irgendwie aus wie eine quergelegte Muschi. Ich muss mich manchmal richtig beherrschen wenn er versucht streng auszusehen. Er muss ja den harten Bullen mimen, droht auch immer artig mit Strafe und so, aber ernst genommen haben wird er nicht. Aber diesmal haben wirs ein bisschen zu bunt getrieben.

Samstagnachmittag, die Sonne scheint und der Frühling macht sich deutlich bemerkbar. Wir beschliessen, die Grillsaison zu eröffnen. Also ab in den Supermarkt, ordentlich tote Tiere gekauft, als Beilage Würste und Brot. Gemüse brauchen wir nicht, meint Rüdiger, haben am Morgen schliesslich beide eine Vitaminbrause genommen. Mit Wodka.

Auf dem Weg lädt Rüdiger alles ein was ihm über den Weg läuft, parallel dazu sendet er ne Einladung ans gesamte Telefonbuch und lädt seine Facebook-Kontakte ein, 506 Stück! Zum Glück leben 50 davon in Thailand, puhh. Und wo findet dieser heitere Turmfall zu Babel wohl statt? Klar, bei mir.
Wird schon meint er lapidar und fragt im nächsten Atemzug ob zwei Tenpack Bier wohl reichen???

Es ist 19:00 Uhr, es klingelt und ich öffne die Büchse der Pandora. Kein Plan was mich erwartet, aber ich bin aufs schlimmste vorbereitet. Die Häkelmaschine weiss Bescheid, dass heisst wir haben im besten Fall 5 Stunden, dann schepperts. Die Bude füllt sich gut, wobei der Balkon eher einem Flüchtlingsboot auf Lampedusa gleicht (tschuldigung). Rüdiger spielt den Grillmeister. An meinem Elektrogrill. Er hasst Elektrogrills, also schmeisst er ihn vom Balkon in den Hintergarten. MEINEN GRILL!!! “Beruhig dich, ich kauf dir einen neuen” Rüdigers Standartantwort wenn was in die Brüche geht…oder gegangen wird.
Ein Telefon und der nächste Grill wird gebracht. Ein Kohlegrill, ganz nach Rüdigers Geschmack.

Kurz nach 11 lichtet sich die Bude langsam wieder, die meisten sind weitergezogen nachdem sie die verkohlten Würste ausgekotzt haben. Ja der Rüdiger kann viel, aber Grillieren gehört nicht dazu.
Rüdiger will den Grill nochmal anwerfen. Nachtisch steht an. Cevapcici und Nürnberger Würstchen, unser Standarddessert. Rüdiger schmeisst ordentlich Spiritus über die Kohle, aber brennen tut nix. Also nochmal ordentlich drübergegossen und da beginnt das Debakel auch schon. Aus nix wird Rauch, aus Rauch wird Feuer. Eine Riesenstichflamme! Ich spring rein, greif mir den Feuerlöscher (hab ich – ehrlich)
und spring wieder raus. Draufgehalten und los geht’s. Pustekuchen – leer (dachte mir schon auf dem Flohmarkt dass 5 Franken seeeeeehr günstig sind).
Rüdiger fackelt nicht lange, packt den Grill und schmeisst ihn ebenfalls übers Geländer.
Da liegen sie nun, unsere Grills, und ratet wer kurz darauf mit der Feuerwehr vor der Tür steht?

Fazit:
Kosten Verpflegung für 4 Stunden Party – Fr. 250 (Rüdiger hat’s bezahlt)
Kosten Elektrogrill – Fr. 150 (R.)
Kosten Kohlegrill – Fr. 100 (R.)
Kosten Polizei und Feuerwehreinsatz – Fr. 750 (R.)

und er fragt den Bullen noch ob er mit Karte bezahlen kann…

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